Aulos Auloi Tibia

Verschiedene Louvre Aulos

Der Aulos, der Klang der beiden Spielröhren bezaubert den Hörer und Spieler zugleich. Bekannt ist er von antiken Vasen, man sieht den Aulet zwei Röhren wie ein V halten und spielen.
Erst in den letzten Jahren wurden diese Instrumente wieder zum klingen gebracht.
Gedoppelte Rohrblattinstrumente gab es bereits im Alten Ägypten unter dem Namen Memet. Bei den Etruskern hießen entsprechende Instrumente Subulo. Im antiken Rom wurde der Instrumententyp Tibia genannt. Sie sind als die direkten Vorläufer der bis heute im vorderen Orient und im Mittelmeer verbreiteten Instrumente zu betrachten. (Sipsi, Midschwiz und Launeddas).

Louvre Aulos, Buchsbaum, Rekonstruktion nahe am Original
Die von mir gefertigten Instrumente haben Doppelrohrblätter aus Schilfrohr(Arundo Donax), ähnlich wie Oboe, Fagott oder Duduk. Sie ermöglichen ein sehr feines ‚lippendirigiertes‘ Spiel wie man es von den oben genannten Instrumenten kennt. Man kann den Auloi damit erstaunliche Klangfarben und Dynamik entlocken. Ich benutze bewusst keine Kunststoff-Rohrblätter da sie meinen Ansprüchen an Klang und Dynamik nicht gerecht werden.

Die Instrumente selber fertige ich aus Holz, bevorzugt aus Buchsbaum (natur oder dunkel gebeizt) gelegentlich auch aus Palisander, Holunder, Olive, Maulbeere und Zwetschge.

Das Hauptmodell basiert auf dem in Ägypten gefunden Aulos der Sammlung des Louvre, Paris(E10962). Die Grifflochmaße und Schema sind gleich dem Original. Es ergibt sich eine ergonomische Form zum Spiel mit jeweils fünf Fingern, die tiefere Röhre in der rechten Hand.
Die oberen fünf Löcher waren wahrscheinlich die Spiellöcher, die Löcher darunter dienen zum einstellen der Grundtöne. So befinden sich die beiden Rohre in einem Quart-Abstand.
Der tiefste Ton ist ein A in A364Hz or F# (A440Hz), die Tonleiter (in A) A, B, C, D, e, f, g, a, b, c, d.

Eine Version ist sehr nahe an das Original angelehnt, aus einem Stück gebaut mit Bindungen am Rohrblattsitz und hinter dem bauchigen Teil. Diese dienen der Verstärkung des Instruments und beugen der Rissbildung vor.

Die zweite Version hat einen Metallring zur Verstärkung, der bauchige Teil mit Rohrsitz können hier abgetrennt und bewegt werden. Das kann sehr praktisch sein, da so das Rohrblatt sehr einfach in Position zu bringen ist. Das Hauptrohr ist damit noch mehr vor Rissbildung geschützt.
Am unteren Ende ist eine trichterförmige Verstärkung aus schwarzen Horn.

Eine dritte Aulos Version ist mit größeren Innendurchmesser und etwas länger. Der Aulos hat einen besonders tiefen und vollen Klang. Allerdings lässt er sich nur mit viel Übung greifen.

Robin Howell hat mir an vielen Stellen mit Rat zur Seite gestanden und ihm habe ich viel meiner Kenntnisse zum Rohrblattbau zu verdanken.
Callum Armstrong hat mich sehr inspiriert und mich immer wieder ermutigt und begleitet.
Die Messungen und Recherchen vom Original von Dr. Stefan Hagel haben mir sehr geholfen diese Modelle zu entwickeln.Seine Publikation dazu ist hier zu finden