Aulos Auloi Tibia

Max Brumberg and Callum Armstrong playing Aulos

Der Aulos, der Klang der beiden Spielröhren bezaubert den Hörer und Spieler zugleich. Bekannt ist er von antiken Vasen, man sieht den Aulet zwei Röhren wie ein V halten und spielen.

Erst in den letzten Jahren wurden diese Instrumente wieder zum klingen gebracht.

Gedoppelte Rohrblattinstrumente gab es bereits im Alten Ägypten unter dem Namen Memet. Bei den Etruskern hießen entsprechende Instrumente Subulo. Im antiken Rom wurde der Instrumententyp Tibia genannt. Sie sind als die direkten Vorläufer der bis heute im vorderen Orient und im Mittelmeer verbreiteten Instrumente zu betrachten. (Sipsi, Midschwiz und Launeddas).

Aulos double reed in the light

Die von mir gefertigten Instrumente haben Doppelrohrblätter aus Schilfrohr (Phragmites australis), ähnlich wie Oboe, Fagott oder Duduk. Sie ermöglichen ein sehr feines "lippendirigiertes" Spiel wie man es von den oben genannten Instrumenten kennt. Man kann den Auloi damit erstaunliche Klangfarben und Dynamik entlocken.

Ich benutze bewusst keine Kunststoff-Rohrblätter da sie meinen Ansprüchen an Klang und Dynamik nicht gerecht werden.

Die Instrumente selber fertige ich aus Holz, bevorzugt aus Buchsbaum dunkel gebeizt.

Louvre Aulos

Der Louvre Aulos basiert auf dem in Alexandria gefunden Aulos der Sammlung des Louvre, Paris. Die Grifflochmaße und Schema sind gleich dem Original. Es ergibt sich eine ergonomische Form zum Spiel mit jeweils fünf Fingern, die tiefere Röhre in der rechten Hand. 

Die oberen fünf Löcher waren wahrscheinlich die Spiellöcher, die Löcher darunter dienen zum einstellen der Grundtöne. So befinden sich die beiden Rohre in einem Quart-Abstand.

Eine Version ist sehr nahe an das Original angelehnt, aus einem Stück gebaut mit Bindungen am Rohrblattsitz und hinter dem bauchigen Teil. Diese dienen der Verstärkung des Instruments und beugen der Rissbildung vor.

Die zweite Version hat einen Metallring zur Verstärkung, der bauchige Teil mit Rohrsitz können hier abgetrennt und bewegt werden. Das kann sehr praktisch sein, da so das Rohrblatt sehr einfach in Position zu bringen ist. Das Hauptrohr ist damit noch mehr vor Rissbildung geschützt.

Der Klang ist voller und kräftiger als der des Louvre Aulos. Die tiefere Röhre wurde wahrscheinlich in der linken Hand gespielt und ist einen Ton tiefer gestimmt. Im Gegensatz zum Louvre Aulos läßt er sich weniger intuitiv spielen. Kenntnisse altgriechischer Harmonien sind hilfreich. Das Spiel bedarf fortgeschrittener Anblastechnik.

Pydna Aulos

Der Pydna Aulos wurde 1996 bei Ausgrabungen gefunden und ist eines der wenigen Instrumente das komplett im Paar erhalten ist. Die Grabstätte in Pydna südlich von Thessaloniki ist auf die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. datiert. 

Die Rekonstruktion baue ich aus Buchsbaum, entweder als zweiteiliges Intsrument mit abnehmbaren Rohrblattsitz, oder als Instrument in Segmenten, wie das Original.

Robin Howell hat mir an vielen Stellen mit Rat zur Seite gestanden und ihm habe ich viel meiner Kenntnisse zum Rohrblattbau zu verdanken. Callum Armstrong hat mich sehr inspiriert und mich immer wieder ermutigt und begleitet. Die Messungen und Recherchen vom Original von Dr. Stefan Hagel haben mir sehr geholfen diese Modelle zu entwickeln. Dank der Arbeiten von Stelios Psaroudakes konnte ich mein Wissen um den Aulos, insbesondere den Pydna Aulos, sehr vertiefen.